Der Leiter der Gruppe Insektenverhalten Markus Knaden mit einem Tabakschwärmer. Foto:Peter Michaelis

Motten im Windkanal, Fliegen, die gegen den Luftstrom ansummen: Das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena hat gestern nach viermonatiger Bauzeit eine der modernsten Anlagen zur Untersuchung geruchsgesteuerten Verhaltens von Insekten in Betrieb genommen.

Jena. Es scheint, als ließe sich der Amerikanische Tabakschwärmer leicht beeindrucken. Das richtige Licht und eine angenehme Temperatur, ein paar flüchtige Tropfen Pheromone und schon ist die männliche Motte im Liebesrausch. Verführerisch schlägt das Insekt mit den Flügeln, immer auf der Suche nach der idealen Partnerin. Oder eben der Quelle des betörenden Duftes.

Der in den Räumen der Carl Zeiss AG untergebrachte Windtunnel gibt den Wissenschaftlern jetzt die einmalige Möglichkeit, den Luftzug und die Gerüche genau zu kontrollieren und dadurch das außergewöhnliche Verhalten von Mücken, Schmetterlingen, Fliegen und eben auch Motten genau zu studieren. Kameras fangen jedes Bild ein, punktgenau können die Duftstoffe eingesetzt werden und ein Computer wertet die Daten aus.

Das Entscheidende an dem Windkanal ist aber die neue Technik, die eingesetzt wird, erklärt Dr. Markus Knaden. Die Versuchsanlage gewährleistet einen gleichmäßigen und linearen Strom, die 1000 Liter Frischluft, die pro Sekunde in den Glasbehälter gepumpt werden, sind wohltemperiert und haben eine ideale Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent. Und weil Insekten anspruchsvolle Tierchen sind, sorgen zusätzlich 150 000 Dioden für eine perfekte Beleuchtung von Rotlicht bis zum Tages- und UV-Licht kann alles simuliert werden. So können wir uns auf einzelne Instektenarten einstellen, erklärt der 39-jährige Biologe Knaden weiter.

Bisherige Systeme hatten den großen Nachteil, dass die aus dem Windtunnel entströmende Luft aufgefangen, gereinigt und dann erneut in das System geblasen wurde. Dabei kam es jedoch immer wieder zu Messfehlern, da die Stoffe aus der Luft nicht zu 100 Prozent entfernt werden konnten. Insgesamt 2,6 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert, zusätzlich stehen den Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie noch zwei vollklimatisierte Flugkäfige zur Verfügung, in denen die Tiere auf visuelle Reize trainiert werden können. Außerdem gibt es auf der insgesamt 380 Quadratmeter großen Fläche ausreichend Platz für die permanente Nach- und Aufzucht der geflügelten Mitarbeiter. Clou der neuen Anlage: Eine ausgeklügelte Wasserkühlung dämpft den Geräuschpegel und das wiederum kommt ebenfalls den sensiblen Tieren zugute, da viele von ihnen über eine ausgeprägte akkustische Wahrnehmung verfügen.

Doch wozu dient die Forschung wem nützt es eigentlich, Motten in Liebesdingen zu stimmulieren? Die Anlage in Jena ist ganz klar auf Grundlagenforschung ausgelegt. Doch auch einen praktischen Nutzen erhoffen sich die Experten: Eine Anwendung könnte beispielsweise die Schädlingsbekämpfung sein, bei der die Sexualstoffe die Tiere punktgenau in eine Falle locken, erklärt Knaden. Wie schon gesagt, die männlichen Tiere geraten sehr schnell in Liebesrausch.

den Originaltext finden sie unter:

http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Motten-im-Windkanal-610498832