Welchen Duft mag der Falter wohl besonders gern? Professor Bill Hansson, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut setzt einen Nachtfalter in den neuen Windtunnel. Der Raum ist rot beleuchtet, damit der Falter glaubt, es sei Nacht. Foto: tlz/Peter Michaelis

Jenaer Forscher wollen herausfinden, wie Insekten auf Gerüche reagieren. Dazu wurde jetzt eine sogenannte Windtunnelanlage eingeweiht. Durch diese können zum Beispiel Schmetterlinge fliegen.

Jena. Unzählige, leuchtende Punkte es sind mehr als 150 000 so genannte LED-Lichter tauchen den Raum in ein tiefes Rot. Ein großer, brauner Falter öffnet seine Flügel, auf seinem haarigen Körper werden sechs gelbe Punkte sichtbar, die langen Antennen am Kopf haben einen Geruch wahrgenommen, unwiderstehlich und verführerisch, der Falter muss diesem Geruch einfach folgen. Seine riesigen schwarzen Augen funktionieren auch in der Dunkelheit bestens, das rote Licht im Raum nimmt er gar nicht wahr, für ihn ist es Nacht.

Bananen und Blumen gefallen den Motten

Professor Bill Hansson kommt aus Schweden. Er ist Wissenschaftler und forscht im sogenannten Max-Planck-Institut in Jena. Er will herausfinden, wie Insekten auf Gerüche reagieren. Gestern hatten Professor Hansson und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut Grund zur Freunde: Eine Forschungsanlage wurde eingeweiht, die ihn in seiner Arbeit voranbringen wird: der Windtunnel. Eigentlich sind es gleich zwei Anlagen, die Professor Hansson für seine Forschungen nun benutzen kann. Ein großer Windtunnel und ein kleinerer: Die beiden Tunnel bestehen aus einem durchsichtigen Kasten und einer Art Ventilator, durch den Wind geblasen wird. In den Kasten setzen die Wissenschaftler dann beispielsweise Motten oder Fliegen. Vorher haben die Wissenschaftler aus verschiedenen Pflanzen Duftstoffe gewonnen Geruchsmoleküle aus Bananen, Blumen oder anderen Pflanzen, aber auch Pheromone, also Lockstoffe von Insekten, die einen Partner suchen. Diese Duft-Moleküle werden dann durch den Kasten geblasen, und die Wissenschaftler beobachten, wie die Insekten darauf reagieren. Wenn eine Fliege beispielsweise einen Duft wahrgenommen hat, der ihr gut gefällt, dann fliegt sie schnurgerade gegen den Wind in die Richtung, aus der der Duft kommt. Wenn sie den Geruch verliert, dann fliegt sie im Zick-Zack, bis sie ihn wiedergefunden hat und folgt ihm weiter.

Doch wozu sind diese vielen tausend besonderen Lichter, die LEDs, notwendig? Ganz einfach: Die LED-Beleuchtung liefert alle Farben des Lichts, von Rot bis Blau. Mit normalen Glühbirnen könnten die Wissenschaftler auch niemals die Helligkeit eines sonnigen Sommertages erzeugen. Wozu das wichtig ist, zeigt Professor Hansson, indem er das rote Licht im Raum ausschaltet und es taghell macht. Der große Falter, der eben noch durch den Windtunnel geflattert ist, kommt ins Trudeln, gerät kurz in Rückenlage und: Absturz! Der Tabakschwärmer, so heißt der Falter, ist ein nachtaktives Tier. Das heißt, wenn es hell wird, rührt er sich üblicherweise kaum. Die plötzliche Helligkeit hat ihn also aus dem Konzept gebracht.

Es geht auch warm und feucht im Tunnel

Nun sitzt er auf dem Boden der Windtunnelanlage, und selbst die Düfte sind ihm völlig egal. Das heißt also, dass das Verhalten der Tiere auch durch das Licht beeinflusst wird. Durch die LED-Lichter können die Wissenschaftler natürlichere Bedingungen erzeugen und die Tiere verhalten sich so, wie sie es auch in der freien Natur tun würden. Dadurch erhalten Professor Hansson und sein Team genauere Forschungsergebnisse.

Die Windtunnel sind außerdem an Klimaanlagen angeschlossen, die die Luft immer frisch halten. Zudem können sie die Luft auch erwärmen und feuchter machen. Das ist wichtig, wenn man mit Schmetterlingen oder anderen Insekten aus tropischen Ländern arbeitet. Denn nicht nur das Licht muss so natürlich wie möglich sein, auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit.

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts betreiben Grundlagenforschung, das heißt, sie schaffen wissenschaftliche Grunderkenntnisse, mit denen später nützliche Dinge entwickelt werden können. Durch die Forschung mit dem Windtunnel könnten beispielsweise irgendwann Duftstoffe entwickelt werden, die Schädlinge vertreiben oder in Fallen locken, damit der Salat nicht von ihnen angeknabbert wird. Denkbar wären aber auch viele andere Anwendungsgebiete.

Die neue Anlage zur Erforschung des geruchsgesteuerten Verhaltens von Insekten in Jena ist eine der modernsten dieser Anlagen in der Welt. Im Moment ist sie im Gebäude der Carl-Zeiss AG, eines großen Jenaer Unternehmens, untergebracht, weil am Max-Planck-Institut noch nicht genügend Platz dafür war. Aber in diesem Sommer beginnen die Bauarbeiten am Max-Planck-Institut es soll vergrößert werden, und wenn der Erweiterungsbau fertig ist, dann ziehen die beiden Windtunnel um.

Gebaut hat die Anlage übrigens die Firma Johnson Controls. Natürlich kostet so eine Anlage auch Geld. Insgesamt 2,6 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Das ist ziemlich viel: Wenn ihr jeden Tag 7000 Kugeln Eis essen würdet, dann hättet ihr das Geld nach einem Jahr immer noch nicht verbraucht, und wahrscheinlich könntet ihr Eis dann auch nicht mehr riechen.

 

Jördis Bachmann / 16.04.10 / TLZ

 

diesen Bericht finden sie im Original unter:

 

http://www.otz.de/startseite/detail/-/specific/Wissenschaftler-erforschen-Schmetterlinge-mit-Windtunnelanlage-94323701